Hier lebe ich.               Mit dir.

Hier überlebe ich.      Mit dir.

Hier sterbe ich.           Mit dir.

 

Hier liebe ich dich.

Hier überliebe ich dich.

Hier liebe ich dich immer noch,

obwohl mein Körper tot ist.

Meine Seele lebt weiter und liebt dich.

 

Der Sonnenaufgang in dir

Es war einmal eine Prinzessin. Ihr Vater starb vor langer ZEIT. Seither regierte ihre Mutter die Stadt hinter dem großen Felsen auf dem ihre Burg stand.

 

Joshua war der jüngste Sohn eines Magiers. Eines Tages als die Familie großen Hunger litt, forderte Joshuas Vater ihn auf: Mein Sohn, bitte die gütige Königin Aura[1] um ein Stück Brot. Zum Dank dafür soll sie den goldenen[2] Trunk des Schlafs von mir erhalten.“

Der Jüngling tat wie ihm geheißen wurde.

Im Wald lauerten jedoch Räuber. Sie tranken von jenem Trunk und fielen sogleich in tiefen Schlaf. Joshua erreichte nach beschwerlichem Aufstieg die Festung.

 

Die Königin schenkte dem Jüngling einen Laib Brot. Plötzlich vernahm er ein sanftes Summen. Er blickte in die Richtung aus der das Geräusch kam und sah das schönste Wesen, das ihm je begegnet war. „Wer, wer bist du?“, stammelte er.

„Ach, das ist Amalia. Meine Tochter. Die Prinzessin“, antwortete die Königin. „Morgen wird sie mit dem unbarmherzigen König Trichinosis[3] vermählt.“ „Aber warum, warum denn nur? Sie kann ihn doch nicht lieben?!“, rief Joshua aufgebracht. „Lieber Junge, ich bin sehr krank und ich weiß, dass das Land auch nach meinem Tod regiert werden muss. Meine junge Tochter ist dieser Aufgabe alleine noch nicht gewachsen“, sagte die Königin kummervoll.

 

Ihr überreichte er den Trunk und ging schweren Herzens. Als er sich noch einmal umwandte, erblickte er abermals die zauberhafte Prinzessin. Auf einmal stand sie dicht neben ihm. Ihre braunen Augen strahlten. Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihr Herz. Da konnte sich Joshua entsinnen. Vor einigen Jahren hatte er im Wald ein wunderbares Mädchen erblickt. Sie spielten, lachten und trieben Schabernack. Als der Tag einst zur Neige ging, schworen sie sich ewige Treue und sie gab ihm einen sanften Kuss ehe ihr Schatten vom Wald verschluckt wurde.

 

Joshua war unendlich glücklich. Amalias Blick ließ jedoch Kummer erahnen. Und auf einmal wurde ihre Gestalt durchsichtig und sie löste sich langsam auf wie Nebel an einem sonnigen Morgen. Verwirrt sah sich der Jüngling um. Die Prinzessin stand plötzlich auf der Burgmauer mit wehendem Haar. Wie kann es sein, dass ich diese Gefühle verspüre? Es ist wie ein Traum und doch weiß ich, wenn ich erwache werde ich dich immer noch lieben!

Gesenkten Hauptes stieg Joshua hinab und durchquerte den düsteren Wald.

Er wollte seine Prinzessin retten. Doch er hatte Angst. Große Angst.

 

Bevor er zu Bett ging, bat er laut: „Oh… wie weh ist mir. Ein Wunder… ich bitte um ein Wunder. Sie soll morgen den wählen, den sie tatsächlich LIEBT!“

 

In der Nacht erwachte Joshua plötzlich durch ein leuchtend helles LICHT, das sich sanft im Raum ausbreitete. Da sprach eine Stimme: „Willst du das Herz der Prinzessin gewinnen und ewig mit ihr vereint sein?“ „Oh ja, das will ich!“ „Dann eile jetzt zur Burg und sie wird auf dich warten.“ Joshua schloss die Augen und atmete tief ein. Als er sie wieder öffnete, war das Licht erloschen.

 

Geschwind machte sich der Jüngling auf den Weg zur Festung. Der Morgen graute, als er abermals das zarte, wunderschöne Summen vernahm. Die Soldaten schliefen. Die Tore öffneten sich und Amalia erschien im gleißenden Licht. Lass uns zusammen träumen! Sie nahm seine Hand und rief: Komm mit! Die beiden liefen ein Stück, kletterten auf einen Felsvorsprung von dem aus sie den Sonnenaufgang sehen konnten und teilten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es war als wäre die ZEIT STEHENGEBLIEBEN.

 

„Es ist schön, dass du gekommen bist. ICH habe auf DICH gewartet.“ Sie liefen Hand in Hand im sanften Morgenrot, ließen sich in das taunasse Gras fallen und lachten lachten lachten.

Plötzlich schreckte Amalia auf und sagte den Tränen nahe: „Ich MUSS jetzt nach Hause. Ich werde vermählt.“ „WIR… WIR gehören zusammen“, stammelte Joshua. „Oh Joshua!“, seufzte Amalia und eilte weinend zur Burg zurück.

 

„Wie sehr wünsche ich mir jetzt ein Wunder“, klagte Joshua. Seine Tränen wollten nicht aufhören zu fließen und erschöpft schlief er ein. Als er erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel und der Klang von Trompeten war zu hören. Geschwind sprang der Junge auf und lief zur Burg zurück.

 

Das Tor stand weit geöffnet und viele Menschen tummelten sich im Burghof. Abermals ertönten Trompeten.

Joshua beobachtete einen Mann auf der Tribüne.

„Seid mir gegrüßt! Es freut mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid. An diesem denkwürdigen Tag wird die Vermählung von Prinzessin Amalia und mir, dem großen Trichinosis, gefeiert. Unsere beiden Königreiche werden nun endlich vereint, lachte er siegessicher. Der König zwinkerte zwei Frauen in der ersten Reihe zu und deutete auf ein goldenes Tor. Es öffnete sich und Sonnenlicht unvergleichlich schön war zu sehen - Amalia. Der Jüngling eilte nach vorne und sah das Gesicht seines Sternenengels. Ein letzter Blick. Rot. Dann schlossen beide die Augen.

 

Da griff ich in meine linke Hosentasche und zog ein goldenes Ei heraus. Bevor ich jedoch darüber nachdenken konnte wieso es sich in meiner Tasche befand, war ein kleiner Drache herausgeschlüpft. Innerhalb einiger Sekunden wuchs er zu einem erwachsenen Tier heran. Liebevoll senkte er den Kopf und ließ mich auf seinen Rücken steigen. Die Menschen erschraken und suchten das Weite.

 

Der Drache flog auf die Prinzessin zu und plötzlich konnte Amalia ihre Zukunft in den Augen des Tieres sehen: Joshua und sie würden sich an den Händen halten und in einem sonnendurchfluteten Garten tanzen bis die Sonne unter und der Mond aufging. Sie würde GLÜCKLICH sein. GLÜCKLICH - GLÜCKLICH

Amalia lächelte ihren wirklichen Prinzen an und ließ sich von ihm mitnehmen in das Reich der Unendlichkeit – das Reich der Träume.

 

Bis dass der Tod euch scheidet.

 



[1] Aurum – lateinisch – Gold.

[2] Gold: Metapher des Unvergänglichen.

[3] - Trichinosis: englischer Ausdruck - Die Trichinellose ist eine durch Trichinen hervorgerufene parasitäre Infektionskrankheit (Parasitose). Sie wird vor allem durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch übertragen und unterliegt in der Europäischen Union der Meldepflicht. Sie zeigt sich zumeist unspezifisch in Schwäche, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Später treten Fieber, Muskelschmerzen und Ödeme im Augenbereich auf. In Einzelfällen kann der Herzmuskel befallen werden und die Erkrankung damit tödlich enden. (Wikipedia)